Auswandern nach Spanien – Ein Risiko, das sich gelohnt hat

Christian Waldheim - Ein Jahr Spanien

November 2021 war der Monat, in dem ich mein Leben in Deutschland (vorerst partiell) aufgegeben habe, um ein neues Abenteuer in Spanien zu starten. Es war ein großes Risiko, aber es hat sich als eines der bisher spannendsten Erlebnisse meines Lebens erwiesen.

Sehr viel habe ich in Deutschland zurückgelassen – nicht nur meine Familie, auch ein gutes soziales Umfeld, meine soziale Stellung und ein gutes Lebens. Jedoch fremdelte ich seit Jahren mit den Menschen in Deutschland und ich hatte nach für mich einschneidenden Erlebnissen und Erkenntnissen einfach das Bedürfnis, wieder zu mir selbst zu finden. So entschied ich mich, mit nur fünf Kartons und einem Computer umzuziehen, um an der Costa Blanca in Alicante einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Kotzbrocken und Unsympathen gibt es überall auf der Welt. Doch ich habe die Menschen hier in Spanien bisher als äußerst freundlich und offen kennengelernt. Das mediterrane Essen ist großartig. Strand, Sonne und auch die teilweise unerträgliche Hitze im Sommer runden das Ganze ab. Die Winter sind kühl und fühlen sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit kälter an. Meine Wohnung hat keine Heizung und so bleibt das Heizen über die Klimaanlage und zwei eigens angeschaffte Radiatoren das Einzige, um der ausgekühlten Wohnungen ein wenig Wärme zu spenden. Eine wirkliche Herausforderung – vor allem in den beiden kalten Monaten Januar und Februar – da kann es dann schon vorkommen, daß Du morgens bei kuscheligen 15 Grad Celsius im Wohnzimmer Dein Frühstück einnimmst. Enen Vorteil hat es – Du bist wach.

Meine Erfahrungen als Arbeitnehmer in Spanien waren bisher eher gemischter Natur. Die Arbeitgeber denken hier anders und die Gehälter sind keineswegs mit denen in Deutschland vergleichbar, was jeder wissen sollte, der hier arbeiten will. Die Lebenshaltungskosten sind jedoch nahezu identisch mit Deutschland, was mich auch immer wieder vpr die Frage stellt, wie es die Spanier schaffen, Ihren Lebensalltag zu bestreiten. Und doch oder vielleicht gerade deswegen, leben die Menchen hier das Leben und genießen es in vollen Zügen. Ein elementarer (positiver) Unterschied zu den Ewig-Meckernden Alemanes.

Die spanische Sprache bleibt jedoch immer noch meine größte Herausforderung. Daran ändert auch  nichts, dass die Spanier mir doch ein gutes Spanisch für die kurze Zeit attestieren. Meine Ungeduld ist eher das, was meine Herausforderung ist. Doch um Teil dieser Gesellschaft zu werden, muss man die Sprache sprechen.

Die Integration beginnt mit der Sprache und ist der wichtigste Schlüssel zu den Herzen der Spanier.

Auch hier gibt es zahlreich (auch Deutsche), die jahrelang hier leben und sich noch immer nicht in der Landessprache verständigen können. Es sind sicher auch die, die in Deutschland über die Ausländer schimpfen, die nach Jahrzehnten der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und es gibt auch eine Vielzahl von auswärtigen Menschen, die es super finden, wenn Aldi, Lidl, Rossmann & Co. eine Filiale nach der anderen eröffnen. Ich frage mich dann immer – warum bleibt ihr nicht einfach in Deutschland. Nun denn, ich weiß, warum ich mich von jedweder deutschen Community fern halte und tausenmal lieber den Kontakt zu den Spaniern suche.

Ein weiterer positiver Effekt meiner Auswanderung ist meine körperliche Fitness. So habe ich in den letzten 13 Monaten knapp 13 Kilo abgenommen und meine Leidenschaft fürs Laufen ist stärker denn je. Alle, die in den sozialen Medien meine Bilder vom lachenden Calvito “ertragen” müssen, wissen, wovon ich rede. Es kam zum Laufen eine neue Leidenschaft hinzu: Trail-Running – Laufen in den Bergen. Eine gelungene Abwechslung zum doch eher schnöden und stupiden Laufen an der Strandpromenade. Und das beste ist – seit kurzem bin ich Mitglied im Club Trail Running Alicante. Ein Club, in dem sich viele coole Menschen mit einer Leidenschaft zusammengefunden haben, um diese zu teilen: Laufen – in der Natur oder auf der Straße.

Nach einem Jahr weiß ich, dass ich es immer wieder machen würde. Denn insgesamt ist meine Auswanderung nach Spanien eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Ich habe ein völlig neues Leben begonnen, voller Herausforderungen und Erfahrungen.

Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen und genügsam zu sein und dankbar für das Leben zu sein, das ich habe.

Ich habe tolle Menschen kennengelernt, genieße das hervorragende Essen, die Sonne, den Strand – einfach das (mein) Leben. Ich bin bereit für weitere spannende Jahre in Spanien, habe absolut keine Absicht, nach Deutschland zurückzukehren und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um in Spanien weiterzubleiben und leben zu können/dürfen.

Viva España !!


Christian Waldheim - Ein Jahr Spanien